Interview: Path of Exile 2 – Jonathan Rogers über 1.0, Melee, Uniques und die Zukunft des Spiels
Für Grinding Gear Games beginnt mit Path of Exile 2 eine neue Phase. Nach fast zwei Jahren Early Access soll das Action-RPG mit Version 1.0 den nächsten großen Schritt machen. Im Gespräch mit Jonathan Rogers, Game Director von Grinding Gear Games (GGG), ging es um die kommenden Inhalte, die Überarbeitung bestehender Systeme und darum, wohin sich Path of Exile 2 bis zum vollständigen Release entwickeln soll.
Version 1.0 markiert den nächsten großen Meilenstein
Grinding Gear Games hat während der Opening Night Live der gamescom die Version 1.0 von Path of Exile 2 für den 11. Dezember 2026 angekündigt. Der Early Access begann am 6. Dezember 2024. Damit liegt der vollständige Release knapp zwei Jahre nach dem Start des Early Access.
Für Jonathan und sein Team ist 1.0 allerdings weit mehr als nur ein weiterer Patch. Viele der Systeme, die während des Early Access entstanden sind, sollen bis dahin noch einmal überarbeitet und verbessert werden.
Dabei geht es nicht ausschließlich um neue Inhalte. Gerade bestehende Systeme stehen im Fokus.
Der Duelist bringt neue Möglichkeiten für Nahkämpfer
Eine der großen Neuerungen von 1.0 wird der Duelist sein. Die Klasse bringt unter anderem Schwerter und eine Reihe neuer Skills ins Spiel.
Besonders interessant ist dabei das neue Stance-System. Der Duelist kann zwischen verschiedenen Ausrichtungen wechseln, die den Charakter und seine Skills unterschiedlich spielen lassen.
Die Blood Stance ist stärker auf Einzelziele ausgelegt, während Sand Stance ihre Stärken vor allem beim Flächenschaden ausspielt. Eine weitere Ready Stance ergänzt das System und verändert ebenfalls die Möglichkeiten bestimmter Skills.
Im Gespräch deutete Jonathan darüber hinaus an, dass Grinding Gear Games noch mit weiteren Möglichkeiten für das Stance-System experimentiert. Auch eine mögliche Interaktion mit Frenzy Charges wurde angesprochen. Wir hatten im Gespräch angemerkt, dass sich einige der bisher gezeigten Interaktionen stellenweise noch etwas langsam wirken und dadurch im Endgame möglicherweise unbeliebt sein könnten. Hier konnte Jonathan die Sorge jedoch entkräften: Mit zunehmendem Fortschritt sollen Skills, Ressourcen, Support Gems und Uniques stärker ineinandergreifen und dadurch deutlich flüssigere und dynamischere Abläufe ermöglichen.
Gerade diese Details zeigen, dass GGG den Duelist nicht lediglich als weitere Klasse versteht, sondern offenbar auch dazu nutzt, neue Formen der Skill- und Ressourceninteraktion auszuprobieren.

Mehr Aufmerksamkeit für Nahkampf
Jonathan hat bereits an anderer Stelle eingeräumt, dass die Möglichkeiten für Melee-Builds in Path of Exile 2 bislang nicht auf dem gewünschten Niveau liegen. Mit Version 1.0 soll sich das ändern.
Eine Möglichkeit dafür soll eine neue Form des Parieren mit Bucklern sein. Dabei geht es nicht nur darum, gegnerische Angriffe im richtigen Moment abzufangen. Jonathan sprach auch über Möglichkeiten, Parry stärker als aktive Mechanik einzusetzen und damit zuverlässiger Debuffs auf Gegner zu bringen, anstatt darauf angewiesen zu sein, dass ein Gegner überhaupt einen passenden Angriff ausführt. Bestimmte Unique-Gegenstände könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.
Damit könnte Parry von einer rein reaktiven Verteidigungsmechanik zu einem Werkzeug werden, das aktiv in offensive Builds eingebaut werden kann.
Support Gems sollen mehr Möglichkeiten eröffnen
Jonathan hat bereits öffentlich über Probleme mit dem aktuellen Support-Gem-System gesprochen. Support-Gems sollen Builds erweitern, können momentan aber teilweise dazu führen, dass ein Skill oder eine Kombination deutlich schlechter funktioniert, als ein Spieler zunächst erwarten würde.
Für 1.0 soll dieses System deshalb verbessert werden. Im Gespräch mit uns ging Jonathan noch einen Schritt weiter und sprach über die Möglichkeit, Support Gems künftig flexibler mit Skills interagieren zu lassen. Als mögliches Vorbild für solche Interaktionen könnte dabei der Druide dienen.
Sollte sich dieser Ansatz durchsetzen, könnten Support Gems stärker zu einem Werkzeug für individuelle Skill-Konfigurationen werden, anstatt lediglich eine relativ feste Liste von Schadens- oder Funktionsmodifikatoren bereitzustellen.
Uniques sollen wieder einen Grund liefern, sie zu tragen
GGG hat bereits zuvor erklärt, dass zahlreiche ältere Uniques überarbeitet werden sollen. Ein Problem besteht darin, dass einige Gegenstände aktuell schlicht nicht interessant genug für bestimmte Builds sind.
Das Ziel geht offenbar über eine einfache Erhöhung von Schadenswerten oder anderen Stats hinaus. Ein gutes Unique soll einen Build verändern oder ihm eine besondere Mechanik zur Verfügung stellen, statt lediglich eine bessere Version eines normalen Gegenstands zu sein.
Für Spieler könnte das bedeuten, dass die Entscheidung für ein Unique künftig häufiger eine echte Buildentscheidung darstellt – und nicht nur davon abhängt, ob dessen Zahlen besser sind als die eines seltenen Gegenstands.
Die Kampagne wächst weiter zusammen
Mit Version 1.0 wird die Kampagne um die noch fehlenden Akte erweitert. Auf unsere Nachfrage zur Kampagnenstruktur erklärte Jonathan, dass die bisherigen Mini-Kampagnen stärker in eine zusammenhängende Act- beziehungsweise Story-Struktur integriert werden sollen, um daraus eine zusammenhängende Reise durch die Welt von Wraeclast zu machen.
Auch das Zusammenspiel mehrerer Spieler steht auf der Liste
Ein weiterer Punkt, den Jonathan im Gespräch ansprach, ist das Balancing des Party Plays.
Path of Exile 2 muss dabei einen schwierigen Spagat schaffen: Das gemeinsame Spielen soll sich lohnen, darf aber gleichzeitig nicht dazu führen, dass bestimmte Inhalte im Team deutlich effizienter, einfacher oder lohnenswerter werden als im Einzelspiel.
Welche konkreten Änderungen GGG dafür plant, dürfte sich erst im weiteren Verlauf der Entwicklung zeigen.
Die großen Enthüllungen kommen auf der ExileCon
Wer nach diesen Informationen bereits wissen möchte, welche weiteren Systeme und Inhalte für Path of Exile 2 geplant sind, muss sich noch etwas gedulden.
Die nächste ExileCon findet am 7. und 8. November 2026 in Auckland, Neuseeland, statt. Dort dürften die bislang größten noch offenen Fragen zu Version 1.0 beantwortet werden.
Im Gespräch wurde besonders deutlich, wie stark das Feedback der Community in die Entwicklung eingeflossen ist. Gleichzeitig erklärte Jonathan, dass die enge Zeitplanung es während des Early Access häufig kaum zugelassen habe, auf dieses Feedback unmittelbar mit größeren Überarbeitungen zu reagieren. Mit Version 1.0 soll nun ein größerer Teil dieses wichtigen Feedbacks umgesetzt werden.
Der Weg zur Version 1.0 besteht damit nicht nur darin, die noch fehlenden Inhalte fertigzustellen. Es geht ebenso darum, die Systeme, die während des Early Access entstanden sind, auf den Stand zu bringen, den Grinding Gear Games für das endgültige Path of Exile 2 vorgesehen hat.
Bis dahin heißt es: Stay sane, Exile!
