Preview: Wardens of Avalon – Ein düsteres Camelot zwischen Survival und Action-RPG

Die Artussage hat schon viele Videospiele inspiriert. Für das französische Runes Studio liegt das Thema allerdings besonders nahe: In der Bretagne und der angrenzenden Normandie sind die Geschichten um König Artus, Merlin und die Ritter der Tafelrunde bis heute tief in der regionalen Sagenwelt verankert. Wardens of Avalon nimmt sich diesen Stoff vor, erzählt ihn aber auf seine eigene, deutlich düsterere Weise. Camelot liegt in Trümmern, die Ritter der Tafelrunde sind von einer dunklen Verderbnis befallen und Avalon ist längst kein strahlendes Königreich mehr.

Auf den ersten Blick könnte man Wardens of Avalon für ein klassisches Action-RPG halten. Die Perspektive, Waffen, Zauber, Gegnergruppen und Bosskämpfe erinnern durchaus an das Genre. Doch die Kämpfe sind nur ein Teil des Abenteuers. Ebenso wichtig sind das Sammeln von Ressourcen, Crafting, die Erkundung der Welt sowie der Ausbau der eigenen Siedlung.

In seiner grundlegenden Spielweise erinnert der Titel daher eher an V Rising oder Palworld – nur ohne Vampire oder Pals und mit einer düsteren Interpretation der Artussage.

Camelot liegt in Trümmern

Die Geschichte beginnt nach dem Fall Camelots. Die Ritter der Tafelrunde wurden von der Verderbnis erfasst und ihre ehemaligen Ländereien liegen in Trümmern. Morgan Pendragon erwählt den Spieler als Twilight Knight. Die Aufgabe ist entsprechend groß: Avalon erkunden, die Verderbtheit zurückdrängen und Camelot wiederaufbauen.

Camelot ist dabei nicht einfach nur eine Kulisse. Die eigene Siedlung bildet einen wichtigen Teil des Spielfortschritts. Gesammelte Ressourcen werden in neue Gebäude und Werkstätten investiert. Dadurch entstehen wiederum neue Möglichkeiten für Crafting und Erkundung.

Der grundlegende Kreislauf ist schnell verstanden: hinaus in die Welt, Ressourcen und Ausrüstung sammeln, Aufgaben erledigen, zurück nach Camelot und die eigene Basis weiterentwickeln. Anschließend geht es wieder los – nur etwas besser vorbereitet als beim letzten Mal.

Optisch setzt Runes Studio auf eine entsprechend düstere Interpretation der Artussage. Statt eines glänzenden Camelots erwarten uns Ruinen, verfallene Landschaften und die Überreste eines untergegangenen Königreichs. Die bekannten Figuren und Motive dienen dabei eher als Grundlage für eine eigene Geschichte, als dass die klassische Sage einfach nacherzählt wird.

Düstere Stimmung in Avalon

Mehr als klassischer Loot-Grind

Wer bei Wardens of Avalon ausschließlich an ein Spiel wie Diablo denkt, dürfte deshalb überrascht sein. Zwar gibt es Belohnungen, Waffen und Rüstungen, die sich teilweise gezielt bei bestimmten Gegnern erbeuten lassen, doch die Entwickler setzen nicht ausschließlich auf die Jagd nach immer besseren Zahlen.

Auch die Welt selbst spielt eine größere Rolle. Ressourcen müssen gefunden und gesammelt werden – teilweise auch mit einem gewissen Zufallsfaktor. Quests führen durch Avalon und neue Gebiete wollen erkundet werden. Die Welt ist dabei nicht lediglich eine Aneinanderreihung von Gegnergruppen auf dem Weg zum nächsten Boss.

Wie stark dabei auch die Zeit eine Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten. Ein Tag-Nacht-Zyklus oder zeitabhängige Aspekte bei der Erkundung und beim Sammeln könnten den Ablauf einer Expedition zusätzlich beeinflussen.

Die Kämpfe sollte man ernst nehmen

Ausweichen, Parieren und der richtige Umgang mit der eigenen Ausdauer sind wichtige Bestandteile des Kampfsystems. Wer einfach nur auf die Angriffstaste hämmert, dürfte gerade bei stärkeren Gegnern schnell Probleme bekommen.

Das konnte ich beim Anspielen auf der gamescom selbst feststellen. Die düstere Atmosphäre von Wardens of Avalon ist nicht nur optischer Natur. Avalon vermittelt ziemlich schnell den Eindruck, dass hier nicht jeder Gegner einfach nebenbei erledigt werden kann. Beim Kampf gegen einen Midboss, der nicht weit vom ersten Portal entfernt auf mich wartete, war die Begegnung entsprechend schnell vorbei: „You died.“

Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, zeigt aber ganz gut, worauf Wardens of Avalon setzt. Vor einem Kampf sollte man sich überlegen, mit welchem Gegner man es zu tun bekommt und ob die eigene Ausrüstung dafür geeignet ist. Es soll kein Spiel sein, bei dem man sich gedankenlos durch jede Gegnergruppe schnetzelt – zumindest nicht, bevor man ausreichend Erfahrung gesammelt und seinen Charakter entsprechend ausgerüstet hat.

Kampf gegen Midboss

Bis zu vier Spieler

Neben dem Einzelspieler-Modus steht der Online-Koop für bis zu vier Personen zur Verfügung. Gemeinsam lassen sich Avalon erkunden, Ressourcen sammeln und Bosse bekämpfen. Auch das gemeinsame Verwalten und Verteidigen der eigenen Basis gehört zum Koop-Konzept.

Server-Play ist ebenfalls vorgesehen. Damit könnte Wardens of Avalon stärker in Richtung einer länger laufenden gemeinsamen Spielwelt gehen, in der nicht alle Spieler ständig gleichzeitig online sein müssen. Es wurde dabei erwähnt, dass die Ereignise im Spiel auch ohne aktive Spieler fortschreiten könnten. Einen lokaler Couch-Koop soll dagegen derzeit nicht geplant sein.

Am Rand der Basis mit mehreren Spielern

Kein Klassenkorsett

Besonders interessant ist das klassenlose Charaktersystem. Statt Klassen wie Krieger, Magier oder Heiler entsteht der eigene Charakter über Ausrüstung, Siegel und Eide. Dadurch kann ein Twilight Knight beispielsweise stärker auf bestimmte Waffen oder Fähigkeiten spezialisiert werden, ohne von Beginn an auf eine feste Klasse festgelegt zu sein. Eide lassen sich zudem wechseln, wodurch sich der Spielstil anpassen lässt. Gleichzeitig soll jeder Charakter flexibel genug bleiben, um auch alleine zurechtzukommen. Beispielsweise sollen auch auf Heilung ausgelegte Charaktere ausreichend Schaden verursachen können, um das Spiel alleine zu bewältigen.

Damit passt das System gut zum Survival-Ansatz: Die eigene Spielfigur wird nicht einmalig festgelegt, sondern entwickelt sich mit der Ausrüstung und dem Fortschritt in der Welt.

Ein interessanter Genre-Mix

Wardens of Avalon lässt sich deshalb nur schwer auf die Bezeichnung Action-RPG reduzieren. Das Kampfsystem besitzt klare ARPG-Elemente, gleichzeitig gehören Basebuilding, Crafting, Erkundung und Ressourcenmanagement fest zum Spielkonzept.

Und genau das könnte die Stärke des Spiels werden. Die Kämpfe sorgen dafür, dass die Erkundung nicht zur reinen Ressourcenfarm wird. Gleichzeitig gibt das Survival-Crafting den Ausflügen nach Avalon einen langfristigen Zweck.

Ob diese Mischung am Ende wirklich aufgeht, muss sich noch zeigen. Der erste Eindruck ist aber interessant: Avalon ist hier kein Ort, an dem man einfach zum nächsten Boss läuft. Es ist eine Welt, die erkundet, bekämpft und Stück für Stück wieder aufgebaut werden will.

Wardens of Avalon soll 2027 für PC erscheinen. Ein weiterer Playtest ist für Oktober 2026 angekündigt.

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