Der neue Militärshooter Hit: Ersteindruck zu Wardogs im Early Access

Seit 12 Stunden sitzen meine Freunde in wechselnder Besetzung im Discord Voice Chat spielen alle dasselbe Spiel: Wardogs. Selten erscheint ein Videospiel, das so viele Freunde über Stunden hinweg für gemeinsame Gaming-Sessions in seinen Bann zieht. Zuletzt habe ich so etwas vielleicht mit Battlefield 4 oder den ersten Wochen in Battlefield 6 erlebt. Jetzt zieht uns Wardogs in seinen Bann.

Nach einer sehr positiven Beta-Test Phase ist Wardogs diesen Monat im Early Access erschienen. Im Kern ist das Spiel wie eine Mischung aus ARMA und Battlefield, mit einer winzigen Prise Extraction Shooter, die man im „King of the Hill“ Modus mit 100 Spielern, aufgeteilt in drei Teams spielt. Drei riesige Karten, Fahrzeuge und Fluggeräte, abwechslungsreiche Aufgaben, Basenbau, kreative Spielweisen. All das wird umfasst von einem Geldsystem, das euch für jede hilfreiche Aktion fürstlich belohnt. Gegner niedergestreckt? Belohnung! Gegner nur ausgekundschaftet? Trotzdem Belohnung. Basis aufgebaut? Belohnung! Spieler und Baumaterialien zur Front befördert? Katsching 💰!

Das Ziel einer Spielrunde ist es, Punkte zu sammeln, indem man mehr Spieler des eigenen Teams in einer großen Zone auf der Karte hat als die Gegner. Zusätzlich wandert eine kleine „Hot Zone“ auf der Karte, in der die Spieler doppelt gezählt werden. Wer am Ende 100 Punkte erreicht, gewinnt und bekommt eine kleine extra Geld-Belohnung. Auf einer Metaebene ist ein Sieg gar nicht so wichtig. Viel größere Bedeutung hat euer Geldbeutel. Denn in Wardogs müsst ihr für jegliches Equipment, sei es Rucksack oder Kampfhubschrauber, die virtuelle Kreditkarte zücken. Wenn ihr eure Investition gut nutzt, habt ihr das Geld schnell wieder drin und könnt euch nach einem Levelaufstieg besseres Equipment leisten und stärker ins Gefecht ziehen. Spawnt ihr allerdings neu, ist alles futsch. Passiert das zu oft, bleibt euch nur eine schnöde Standardwaffe. Das besondere dabei ist, dass das Geld über Runden hinweg persistent ist. Wer also in einer Runde ordentlich Gewinn gemacht hat, trägt sein gut gefülltes Konto in die nächste Schlacht.

Wer nicht allzu gut in Shootern ist, muss aber nicht gleich Angst haben, ständig ohne Geld dazustehen. Klassische Infanteriegefechte sind nur ein Teil von Wardogs. Ebenso wichtig sind Basenbau, Logistik, Artilerie und Flugabwehr, Spähen von Gegnern und Unterstützung durch Helis und Flugzeuge.

Zu Beginn spawnen alle Teams in ihrer eigenen Basis am Rande der Map, kaufen beim Händler ihre Ausrüstung und ggf. noch Fahrzeuge. Anschließend fliegen sie meist als Passagier in einem Heli zur sehr weit entfernten und sehr großen Gefechtszone in der Mitte der Karte. Der Flug dauert so schon knapp eine Minute. Im Bodenfahrzeug oder gar zu Fuß dauert der Einsatz entsprechend deutlich länger. Je nach Lust, können sich Spieler jetzt direkt in einen Kampf begeben, oder zunächst eine Basis errichten. Für die Koordination könnt ihr euch mit anderen Spielern im Squad- oder im häufig genutzten Umgebungs-Voice-Chat absprechen. Piloten fragen zum Beispiel regelmäßig, wo denn die Passagiere gerne hin möchten. Für alle anderen Absprachen („WIR BRAUCHEN MUNITION AN TURM 1!!!“) gibt es den allgemeinen Text-Chat.

Jeder Spieler kann zu Beginn einer Runde eine „Forward Operating Base“, zu kurz FOB, erwerben. Damit lassen sich überall Zonen für einen Stützpunkt anlegen in der ihr fortan Gebäude platzieren dürft. Mit Sandsäcken, Stacheldraht, Mauern, Toren, Wachtürmen und Mörsern, Flugabwehr-Raketensystemen und Gatling Guns verwandelt ihr ein schreckliches Stück Feindgebiet in ein gemütliches Zuhause. Schon jetzt kursieren online Anleitungen für besonders effiziente Mörser-Stellungen, die euch einerseits vor Feindesfeuer schützen, andererseits aber noch eine optimale Öffnung zum Feuern bieten. Die Erfahrung aus anderen Spielen wie Rust zeigt: Die Community entwickelt für Basenbau schnell optimale Baupläne.
Besonders wichtig sind aber Bohrtürme. Mit diesen lässt sich nämlich die Hot Zone kontrollieren. Von den Bohrtürmen stehen drei einfach so auf der Map herum. Zusätzlich lassen sich eigene Türme bauen. Kontrolliert man genug von denen und aktiviert diese, dann wandert die Hot Zone zum eigenen Bohrturm, wo dann hoffentlich das eigene Team schon wartet.

Aber obacht: Eine Basis und das FOB müssen gut bewacht werden. Feindliche Teams können ein FOB nämlich übernehmen. Sollten sie mit Sprengladungen, Angriffen aus der Luft oder durch einen gut platzierten LKW in eure Basis eindringen, können sie das FOB hacken und kontrollieren damit dann die Infrastruktur in ihrem Bereich.

All das Gebaue entsteht aber nicht ohne Ressourcen. Die gibt es ausschließlich in der Hauptbasis am Map-Rand gibt. Spieler können mit Helis oder Lastwagen Ressourcen in der Hauptbasis einkaufen und sie zu den FOBs im Kampfgebiet transportieren. Dort laden andere Spieler hoffentlich das Material aus und belohnen euch dadurch mit reichlich Punkten (Katsching! 💰). Zusätzlich lässt sich auch jegliches anderes Equipment wie Waffen, Munition und Bandagen einkaufen und in mobilen Einkaufsläden an der Front platzieren. Auch hier: Katsching.

Die abwechslungsreichen Aufgaben machen Wardogs aktuell so besonders. Es bietet für jede Vorliebe eine nützliche Aufgabe. Da die Runden gerne ein bis zwei Stunden lang sind, kommt es auch oft vor, dass ihr eure Aufgaben zwischendurch wechselt. So könnt ihr am Anfang dabei helfen Mitspieler und Ressourcen an die Front zu bringen und anschließend als Angriffstrupp die gegnerische Basis stürmen. Wenn die Feinde mit Helikoptern anrücken, könnt ihr euch um die Luftverteidigung kümmern. Bauen sich die Feinde zu sehr ein und ziehen die Zone mit Hilfe von Bohrtürmen an sich? Dann hilft es vielleicht, mit einer mobilen Artillerie die Gebäude auseinanderzunehmen.

Auch technisch begeistert Wardogs bisher. Es ist nicht das hübscheste Spiel, läuft aber sehr stabil. Der Netcode lässt keine offensichtlichen Probleme erkennen und zumindest bislang sind Cheater noch eine Seltenheit. Bis auf die massiv überladenen Login-Server am Launch-Abend, war das Release von Wardogs das stabilste, das ich seit langer Zeit erlebt habe. Und das trotz über 400.000 gleichzeitig aktiven Spielern bei über 2 Millionen verkauften Spielen.

Die größte Baustelle dürfte nach der Release Woche wohl das Balancing werden. Aktuell sind die meisten Spieler noch am Anfang und haben kaum Equipment freigeschaltet. Es häufen sich nun mit der Zeit mehr und mehr Fahrzeuge auf den Maps, gegen die man sich als Infanterist verteidigen muss. Ein einfacher gepanzerter Humvee mit einem Boardgeschützt stellt so schon eine enorme Herausforderung dar, wenn man nicht gerade Unterstützung aus der Luft oder einen Raketenwerfer dabei hat. Aufgrund der vielfältigen Aufgaben und dem limitieren Inventarplatz, ist das selten der Fall. Auch Panzer und vollwertige Kampfhubschrauber sieht man noch eher selten auf dem Schlachtfeld.

Die nächsten Wochen werden also zeigen, wie sehr die Begeisterung der Release Woche noch anhält. Wir zumindest, haben gerade wahnsinnig viel Spaß.

Wardogs ist für PC auf Steam für 40€ im Early Access erhältlich. Es soll 2028 auch für Playstation 5 und XBOX Series erscheinen. Wardogs wird von BULKHEAD entwickelt und von Team17 veröffentlicht.

Farbklex

Beruflich ein Software Engineer, privat ein Gaming-Enthusiast. Games Convention und gamescom Veteran seit 2004. gamescom Award - Community Juror (2014). Volunteer bei diversen Gaming Events seit 2015 und Leserreporter für die gamescom Aktuell.

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