Preview: Terranigma – Zurück zu den Wurzeln

Manchmal braucht es keine große Neuinterpretation, sondern einfach den Mut, ein gutes Spiel so zu lassen, wie es ist. Genau diesen Ansatz verfolgt Clear River Games bei Terranigma. Auf der gamescom konnten wir den SNES-Klassiker gemeinsam mit Community Manager Patrick Wade anspielen und einen ersten Blick auf die Neuveröffentlichung werfen.

Terranigma erschien ursprünglich 1995 für das Super Nintendo und gilt bis heute als eines der großen, wenn auch aufgrund seines Veröffentlichungszeitpunktes etwas zu wenig beachteten JRPGs seiner Generation. Mit seiner Mischung aus Rollenspiel, Echtzeitkämpfen und einer ungewöhnlichen Geschichte rund um Schöpfung, Zerstörung und die Entwicklung der Erde steht es dabei durchaus in einer Reihe mit Klassikern wie Secret of Evermore oder Grandia.

Original games at the interview

Für Clear River Games ist genau das Motivation genug. Das schwedische Unternehmen hat sich auf die Veröffentlichung und Bewahrung von Spielen spezialisiert und möchte Terranigma vor allem eines geben: eine Zukunft. Dabei soll möglichst viel vom ursprünglichen Spiel erhalten bleiben. Patrick betonte im Gespräch mehrfach, dass Preservation, also die Bewahrung des Originals, im Mittelpunkt steht. Es geht sogar so weit, dass das Team nach Möglichkeit auf alle ursprünglichen Entwickler und Kreativen zugegangen ist, damit sie sich beteiligen können. Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart soll also nicht nur technisch, sondern auch personell hergestellt werden.

Und das merkt man bereits beim ersten Anspielen. Terranigma wird nicht komplett neu gestaltet und ist ausdrücklich kein Remaster im klassischen Sinne. Die ursprüngliche Pixelgrafik bleibt erhalten und wird lediglich sauber auf HD-Auflösungen hochskaliert. Zusätzlich stehen verschiedene CRT-Filter zur Verfügung, mit denen sich der typische Look alter Röhrenfernseher wiederherstellen lässt.

Dabei öffnet das Spiel bereits nach dem Start die wortwörtliche Pandora-Büchse. Die Welt wird eingefroren und Ark macht sich auf den Weg, die Geheimnisse hinter diesem Ereignis zu erkunden. Das Kampfsystem bleibt gewohnt direkt und actionreich, während die Mischung aus Erkundung, Rätseln und Rollenspielelementen noch immer erstaunlich gut funktioniert. Wir durften nämlich auch einen Spielstand kurz vor dem ikonischen Boss „Bloody Mary“ verwenden. Die Rätsel und den Bosskampf haben wir natürlich mit Bravour gemeistert – das lag sicherlich nicht am bereits gut entwickelten Charakter und den hilfreichen Tipps von Patrick.

Bloody Mary - original game

Neuerungen gibt es vor allem bei diversen Komfortfunktionen, beispielsweise beim Inventar. Gegenstände lassen sich nun direkt verwalten, ohne dafür jedes Mal über Pandoras Box gehen zu müssen. Wer das ursprüngliche Spielgefühl möglichst unverfälscht erleben möchte, kann jedoch selbst entscheiden, ob diese Funktionen zum Einsatz kommen. Sämtliche Einstellungen sollen sich individuell konfigurieren und bei Bedarf auch komplett deaktivieren lassen. So bleibt es den Spielern überlassen, ob sie Terranigma mit etwas mehr Bequemlichkeit oder möglichst originalgetreu erleben möchten. Auch beim Soundtrack geht Clear River Games einen ungewöhnlichen Weg. Neben der Bewahrung des Originals soll es eine neue Soundtrack-Option geben.

QoL - demo


Genau diese kleinen Veränderungen dürften für Puristen interessant sein. Clear River Games hätte sich durchaus ein umfangreicheres Remaster vorstellen können, entschied sich aber bewusst dagegen. Man liebe das Franchise und wolle nicht verändern, was Terranigma ursprünglich ausgemacht hat.

Terranigma soll Anfang 2027 erscheinen. Für Fans des Originals ist dabei vor allem eines beruhigend: Clear River Games versucht nicht, Terranigma neu zu erfinden. Stattdessen soll der Klassiker möglichst unverfälscht auf moderner Hardware weiterleben.

Ob es neben der digitalen Veröffentlichung auch eine physische Version geben wird, blieb bei unserem Gespräch allerdings noch offen. Angesichts der bekannten Vorliebe von Clear River Games für physische Spiele darf man hier aber durchaus gespannt sein.

Nach unserem ersten Ausflug nach Terranigma bleibt deshalb vor allem ein positiver Eindruck zurück: Hier wird kein Klassiker zwanghaft modernisiert. Terranigma darf Terranigma bleiben. Und vielleicht ist genau das die beste Nachricht für alle, die seit rund 30 Jahren auf eine Rückkehr gewartet haben.

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